Geschichte der Zündapp Bella

Die Konkurrenz hatte die ersten Gewinne aus ihren Rollerproduktionen schon lange eingefahren, als Zündapp 1953 endlich die Bella auf den Markt brachte. Von 1953 bis 1964 wurden rund 130.000 Bellas produziert. Damit war die Zündapp Bella eine der erfolgreichsten deutschen Motorroller. Die Zündapp Konstrukteure gaben der Bella einige bauliche Merkmale mit auf den Weg, durch welche sie sich erheblich von der Konkurrenz unterschied. Die Bella besitzt keine selbsttragende Karosserie.


Bella R 201, links mit Telegabel, rechts mit Schwinge

Ein offener Doppelrohrrahmen, mit einer Hinterradschwinge bildet ein sehr stabiles Grundgerüst. In den ersten Produktionsjahren wurde die Bella mit einer Teleskopgabel gebaut. Später gab es gegen Aufpreis eine geschobene Langschwinge, welche aber dann die Teleskopgabel verdrängte. Der Motor, welcher ohne Kühlgebläse auskommt, sitzt sehr weit vorne, was dem Roller einen guten Schwerpunkt gibt.

Die 12 Zoll großen Leichtmetallfelgen aus Druckguß tun ihr übriges, um der Bella eine Straßenlage zu geben, die nicht nur unter den damaligen Rollern ihres gleichen suchte. Die beiden Trommelbremsen verzögern recht gut, nur die Anordnung des Bremspedales für das Hinterrad finde ich etwas unglücklich. Es befindet sich auf der linken Seite und wird mit der Hacke betätigt. Ein bewärter Zweitakt Motor aus den Zündapp Motorrädern, treibt die Bella an. Der luftgekühlte Einzylinder hat einen Graugußzylinder sowie einen Zylinderkopf aus Aluminium. Der linke Getriebedeckel und die Steuerzeiten wurden für die Bella geändert.


Bella R201, Baujahr 1955, 9 kw

Die Vierfach gelagerte Kurbelwelle (bei Kickstartermodellen dreifach) treibt über eine Sekundärkette das Ziehkeilgetriebe an, welches im selben Block sitzt. Eine Mehrscheibenölbadkupplung unterbricht bei Bedarf den Motor vom Getriebe. Geschaltet wird mit dem rechten Fuß über eine Schaltwippe. Eine Kette sorgt dafür, das die Kraft vom Getriebe an das Hinterrad übertragen wird.
Es stand eine150 cm³ mit 7,3 PS, sowie eine 200 cm³ Variante mit 10,7 PS, später dann 12,3 PS und 13,4 PS zur Verfügung. Erst 1961 kam noch eine 175 cm³ Variante mit 11 PS hinzu. Der laufruhige Zweitaktmotor hat einen sehr guten Drehmomentverlauf. Besonders den 200 cm³ Motor kann man dadurch sehr schaltfaul fahren, selbst am Berg hat die Bella einen guten Durchzug. Wie schade, das der Motor starr in den Rahmen eingebaut wurde, aber eine Entkapselung über Silentblöcke wäre wohl zu aufwendig gewesen.

Die Bella ist recht sparsam im Kraftstoffverbrauch, mehr als 4 Liter pro 100 km habe ich noch nie gebraucht. Der Motor springt bei allen Temperaturen problemlos an. Die Luftkühlung ist auch für längere Bergfahrten und STOP and GO-Betrieb in der Stadt ausgelegt worden. Trotzdem gibt es schon mal Probleme mit Dampfblasenbildung im Vergaser. Eine zusätzlich eingebaute Pertinaxbuchse zwischen Vergaser und Ansaugstutzen brachte hier Besserung.

Auch die restliche Ausstattung ist sehr gut. Der Dynastarter von Noris arbeitet zuverlässig. Versorgt wird die Bordelektrik bei den Anlassermodellen von zwei in Reihe geschalteten 6V/11A Batterien, welche im Beinschild untergebracht sind. Bei anderen Modellen können sie auch in einem Batteriekasten am Heck des Rollers untergebracht sein. Die Kickstartermodelle haben eine 6 Volt Anlage. Neben der Ladekontrolleuchte gibt es auch eine grüne Kontrolleuchte für die Getriebe Neutralstellung. Der Benzinhahn ist von aussen zugänglich und wir mit dem Zündschlüssel betätigt. Leider ist dadurch ein umstellen auf Reserve während der Fahrt schwierig. Die Einfüllöffnung des Tanks, welcher 8,5 Liter Kraftstoff aufnimmt, befindet sich unter der Sitzbank. Die stabilen und praktischen Kofferbrücken aus Aludruckguß lassen sich nach dem lösen der Befestigungsschrauben herunterklappen. Vier Distanzringe sollen ein verkratzen des Seitenteils durch einen Koffer verhindern. Die stabilen Trittbretter aus dem Aludruckguß findet man nur bis zur R 201, ab der R 203 wurden sie aus Blech gefertigt.

Die in den Trittbrettern eingelassenen Gummifußmatten filtern die auftretenden Motorvibrationen an den Füßen etwas ab. Platz für das Werkzeug findet man je nach Modell im rechten Trittbrett, einem Werkzeugkasten unter dem Rücklicht, oder in einem Fach im Seitendeckel. Auch in Sachen Wartung wurde bei Zündapp mitgedacht. Die häufigsten Wartungs- und Kontrollarbeiten lassen sich nach dem öffnen der Seitenklappen durchführen. Für die Zündkerze gibt es sogar eine Extraklappe vor der Sitzbank.
Bella mit Seitenwagen auf einem Treffen der Bella IG
Die alle 500 km fällige Kettenplege läßt sich gut durch einen großen Ausschnitt im Kettenkasten erledigen. 7 Abschmiernippel wollen alle 1000 km abgeschmiert werden. Für größere Reperaturen muss man die hinteren Verkleidung abbauen. Dann kann man geradezu vorbildlich an dem Antriebsstrang schrauben. Der Radwechsel ist leider nicht so bequem wie bei einer Vespa, aber auch hier sind die Räder untereinander austauschbar.

Die Zündapp Bella ist ein sehr solider Roller mit super Fahreigenschaften. Trotz ihren 141 kg (Modell bedingte Unterschiede) ist sie sehr handlich, und es macht sehr viel Spaß mit ihr zu fahren.

© Michael Scharfenberg

Home